Joergreiter.de
Joerg Reiter Solo

Presse


Jazz-Professor Joerg Reiter im Kallmann-Museum
Spannungsgeladener Kammerjazz
Pianist Joerg Reiter überzeugt in Ismaning vor allem durch seinen Stilwillen
Ismaning: Als ob er sich nicht in die Karten schauen lassen wollte, hatte Joerg Reiter den Flügel so platziert, dass kaum einer der Besucher im Ismaninger Kallmann-Museum die Tasten einsehen konnte. Der "Hausherr" hätte noch den besten Blick gehabt: Hans-Jürgen Kallmann thronte via Selbstporträt über dem Flügel, an dem der Jazzpianist Reiter seine Klanggemälde hinzauberte. Doch sein versonnener Blick inmitten seines Ateliers ging gen Himmel.
Ein treffendes Symbol vielleicht, denn beim "Jazz im Museum" am Freitag Abend ging es weniger um die - gleichwohl sehenswerte - Technik, vielmehr galt es, sich ganz auf den Klang zu konzentrieren. Selten genug hört man Reiters unverwechselbaren Stil im Münchner Raum, und so wissen wenige, welch grandioser Pianist da in Stuttgart lebt. Vielleicht deshalb war es auch für
Ismaninger Verhältnisse recht leer.
Wer gekommen war, erlebte ein herausragendes Konzert eines äußerst interessanten Musikers. Am Akkordeon hat Joerg Reiter angefangen, mit zwölf hatte er "die existierende Literatur durch und alle Preise gewonnen" und sattelte aufs Klavier um. Mit einer klassischen Ausbildung im Kreuz eroberte er sich den Jazz, arbeitete seither mit vielen europäischen Größen (wie Ack van Rooyen oder Peter Herbolzheimer) zusammen und war sich auch für kommerzielle Ausflüge nicht zu fein: So war er unter anderem der Arrangeur und Leiter einer sensationellen Europatournee der Funk-Ikone Chaka Khan.
Vieles also geht in seinen Stil ein, und seit Reiter vor bald zehn Jahren eine der seltenen Jazz-Professuren Deutschlands an der Musikhochschule Mannheim ergatterte, hat er auch mehr Zeit, daran zu
arbeiten. Rhythmische Versetzung und melodische Verdichtung im spannungsgeladenen Wechsel zwischen ausgeprägtem Akkordspiel und Läufen mit viel Chromatik sind die Erkennungszeichen von Reiters Spielweise. Sie zogen sich durch alle Stücke, durch den eher lyrischen fast an George Shearing erinnernden Einstieg ebenso wie durch heftig groovende Eigenkompositionen, durch rhythmisch oder harmonisch überaus vertrackte Stücke von Richie Beirach und John Taylor oder die grandiose Zugabe mit Ravels "Le Tombeau de Couperin" als experimentelle Solo-Uraufführung.
Europäischer Kammerjazz (hier stimmt das Etikett einmal) vom Feinsten also, intelligent ausgeklügelt und sensationell gespielt. Da ging im Publikum noch so mancher Blick gleich dem Kallmanns versonnen nach oben.
OLIVER HOCHKEPPEL
(Süddeutsche Zeitung - 19.10.00)


Pianist Joerg Reiter in der Musikhochschule
Einen beeindruckenden Pianisten konnte man am Sonntag in einem Schwörhauskonzert erleben. Joerg Reiter, Jazz-Pianist mit klassischer Ausbildung, stellte sich in einem seiner seltenen Soloauftritte als ein Virtuose dem Publikum. Er ist in allen Jazzbereichen zuhause, und so war es eine Lust, seine eigenen Kompositionen und Improvisationen über Jazz-Standards zu erleben. Klaviertechnik und Anschlagskultur waren Exzellent
(Rems Zeitung - 6.5.04)


Begeistertes Publikum feiert zwei echte Musiker-Typen
Joerg Reiter und Leszek Mozdzer spielen Jazz in Reinkultur mit technischen Finessen und improvisatorischer Genialität
Fellbach. That's ]azz - auf diese einfache und doch so treffliche Formel ließ sich das Konzert mit den Pianisten Joerg Reiter und Leszek Mozdzer am Donnerstagabend brin gen. Im Rahmen des Europäischen Kultur­sommers der Stadt hatte das Kulturamt zwei hochkarätige Jazzmusiker in den Konzertsaal der Musikschule eingeladen.
Joerg Reiter präsentierte Highlights aus dem Fundus seiner Kompositionen, die alle samt höchsten technischen Anforderungen genügten. Dabei stand die Show selten im Vordergrund. Es galt vielmehr, den Melodien und facettenreichen Harmoniewechseln und damit den unterschiedlichen Cha­ rakteren seiner Musik nachzuspüren. Dabei kamen die Zuhörer unter anderem auch in den Genuss einer Komposition mit dem Titel "Chocolate", die im Rahmen seiner ersten Plattenaufnahme im Studio spontan entstand, weil noch ein Stück mit drei Minuten Dauer fehlte.
Dabei zeigte sich immer wieder, dass Jazz einfach mehr ist als das Endergebnis auf der Bühne.
Jazz ist mehr als nur ein Musikstil, Jazz ist die Art, wie Musik gemacht wird. Dabei spielen Improvisationsgabe, Kreativität und Gestaltungswille eine zentrale Rolle. Damit ist Jazz aber auch ein Stück Philosophie. Dies wurde auch an diesem Abend deutlich, denn mit Joerg Reiter und dem polnischen Jazzstar Leszek Mozdzer waren zwei echte Typen am Werk. Jeder war auf seine Weise unverkennbar. Der eine in locker legerem Look ganz in Weiß und mit schwarzer Umhängetasche über der Schulter, der andere barfuß in türkisem Baumwoll-Outfit und markanter Brille. Im zweiten Teil des Programms zeigte Leszek Mozdzer dann eindrucksvoll, warum er zu den meistgefeierten Jazzpianisten zählt.Ausgangspunkt seines Programms waren die Kompositionen seines Landsmannes Frédéric Chopin, welche er tiefgründig und
phantasievoll als Grundlage für seine Improvisationen verwendete. Er spielte geradezu mit der romantischen Vorlage, ohne sie zu verunglimpfen und entwickelte daraus seine persönliche Tonsprache. Die beruhte nun nicht mehr nur auf dem klassischen Klavierklang, sondern bezog Verfremdungen durch den Einsatz eines Handtuchs auf den Saiten als Dämpfer oder die Verwendung eines Glases auf den Saiten als perkussiv wirkendes Element mit ein.
Der dritte Teil des knapp dreistündigen Konzerts bildete gleichsam den Höhepunkt des Abends und zeigte neben dem Jazz als die Art, wie Musik gemacht wird, und Jazz als Lebensphilosophie einen dritten Aspekt, nämlich Jazz als musikalische Sprache. Beide Pianisten improvisierten gemeinsam und ließen die begeisterten Zuhörer in der
restlos ausverkauften Musikschule an ihren
musikalischen Zwiegesprächen teilhaben.
That's Jazz!
FRANK EBERT
k.A.


Chopin passt zu Jazz und Mozdzer zu Reiter
Ein deutscher und ein polnischer Pianist begeisterten beim Kulturfestival in der Fellbacher Musikschule
Fellbach.
Ganz klar, dass Chopin zum diesjährigen Europäischen Kultursommer passt, da sich das Fellbacher Kulturfestival heuer der Länder Schweiz und Polen annimmt. Doch ob Chopin auch zum Jazz passt, wie es der junge polnische Pianist Leszek Mozdzer seit geraumer Zeit zu beweisen versucht, musste mancher im restlos ausverkauften Kuppelsaal der Fellbacher Musikschule erst mal selber überprüfen. Wobei vorab sicher schien, dass, wenn es jemand schaffen kann, den Romantiker mit den Mitteln der Improvisation neu zu interpretieren, dieser Je mand Mozdzer sein musste. 1971 geboren und klassisch ausgebildet, wurde er bereits mit jungen Jahren zum Leiter von Polens Jazzband Nr. 1, Milosc, gewann diverse Preise und begleitete Top-Jazzer wie die Freejazz-Legende Archie Shepp. Mozdzers Chopin-Improvisationen sind sein jüngstes, international mit Spannung verfolgtes Projekt.
Und dann passt für die Zuschauer in Fellbach zunächst einmal die Künstler-Kombination für dieses Konzert. Erst tritt nämlich Joerg Reiter auf, geboren in Waiblingen und derzeit Klavier-Professor in Mannheim. Und der stimmt gerade deshalb so gut auf Mozdzer ein, weil er in wichtigen Punkten grundsätzliche Gegensätze zum Polen zeigt. Zum Teil mögen diese am Material liegen - hier Eigenkompositionen, dort Chopin-Bearbeitungen - , zum Teil an technischen Dingen wie Phrasierung oder Pedal-Einsatz. Reiter spielt ausschließlich
Eigenes, etwa „On my way home": Nach einem verträum­ ten Intro schält sich ein swingendes Motiv aus Arpeggio-Attacken, zu dem der Pianist immer wieder zurückkehrt - „way home" zum Jazz, beispielsweise.
Auch Reiters wohl bekannteste Komposition „Caprice", der Name deutet es an, ist klassisch getönt, mündet aber irgendwie dann doch in einen bluesy Riff. Oder „Sidelines", das Reiter nicht emotional in beliebige Richtungen führend, sondern als klar definierte Komposition spielt, in der die Improvisation auf „sidelines", die seitlichen
Ausreißer, umgeleitet wird. Sie findet im Ausformen dynamischer Vorgänge statt, in rhythmischen Reaktionen, die fast zwangsläufig erfolgen, in chromatischen Schlenkern. Für seinen stark an der Klassik geschulten, schwelgerischen Anschlag nutzt Reiter viel Pedal und lässt - ein Kontrast zur Strenge der Komposition - den Klang eher unscharf werden, als ihn strikt zu definieren. Seine Musik umfasst eher weite Räume, als auf den Punkt zu kommen. Ganz anders Mozdzer. Er kommt barfuß auf die Bühne, ein bunt gekleideter Paradiesvogel, zeigt aber vor dem Flügel äußerste Konzentration auf den Klang. Auch er greift gelegentlich in den offenen Flügel und dämpft die Saiten, um so zu abenteuerlichen Klang-Kontrasten zu kommen. Doch sein Spiel wirkt jederzeit präzise, nicht unscharf. Beispiel: ein an John Cage orientiertes Stück, das er mit
steten Wiederholungen im Stil der Minimal Music abspult, bis es klingt wie eine kaputt gegangene Spieluhr. Was natürlich nur mit äußerster technischer Brillianz möglich ist.
Das Mehr an Prägnanz mag, wie gesagt, daran liegen, dass Mozdzer, mit Chopin als Ausgangspunkt, bekannte Themen bearbeitet, auch wenn vom ursprünglichen Material meist nicht mehr als die vage Ahnung einer Melodie bleibt. Einigen Mazurkas nimmt er das Tänzerische, bis der Klassiker beim Jazzer am Ende kopflastiger, gedankenschwerer klingt und nicht etwa groovender, leichter. Doch unterm Strich unterscheidet sich Mozdzer besonders durch eine Eigenschaft von Reiter: Der Pole wirkt heiter, der Deutsche ernst.
Bis dann im dritten Teil, einem Duo beider Solisten, Mozdzers Humor auch Reiter ansteckt. Wobei wieder dem Deutschen das chromatische Wühlen und das akkordische Basis-Spiel bleiben, während der Pole mit flinken Fingern die Tupfer setzt - als lege Reiter den Urgrund dieser Duo-Musik, der tief und etwas dunkel ist, während Mozdzek die Lichter zündet und einen Weg weist. Wer jetzt immer noch nicht glaubt, dass Jazz sehr wohl zu Chopin passt, der muss immerhin eingestehen, dass auch - oder gerade - zwei sehr unterschiedliche Pianisten im Duo wunderbar harmonieren können.
MICHAEL RIEDIGER
k.A.

zurück

nach oben